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Brüssel im Advent – zwischen Politik, Pralinen und Poesie

  • Autorenbild: Michaela
    Michaela
  • 19. Okt. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Brüssel, die Hauptstadt Belgiens und zugleich das politische Zentrum der Europäischen Union. Die Stadt erstreckt sich über eine Fläche von rund 32,6 Quadratkilometern. Die Stadt Brüssel zählt knapp 197.000 Einwohner, während die gesamte Region Brüssel-Hauptstadt rund 1,2 Millionen Menschen umfasst.


« Bruxelles est une ville qui pense en plusieurs langues et rêve en chocolat. »

(unbekannt)


Das urbane Leben ist geprägt von internationaler Vielfalt, historischen Bauwerken, modernen Institutionen und einem regen kulturellen Angebot. Neben der Funktion als Regierungssitz ist Brüssel bekannt für seine gotischen Kirchen, Jugendstilfassaden, Museen sowie für kulinarische Spezialitäten wie Pralinen, Waffeln und belgisches Bier.


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Brüssel empfing mich mit kühler Dezember-Winterluft, festlicher Beleuchtung und einer Atmosphäre, die zwischen internationaler Geschäftigkeit und belgischer Gemütlichkeit pendelt. Die Stadt ist kompakt, aber vielschichtig: gotische Kirchen, Jugendstilfassaden, Museen und kulinarische Verführungen prägen das Bild ebenso wie moderne Institutionen und multikulturelles Leben. In der Vorweihnachtszeit wirkt Brüssel besonders charmant, so als würde sich das politische Herz Europas für einen Moment in ein warmes Wohnzimmer verwandeln.


Mein erster Weg führte mich zum Europäischen Parlament, wo ich an einer kostenlosen Führung teilnahm, die auch in den Plenarsaal (das Herz der europäischen Demokratie) führte. Ein passender Auftakt für eine Stadt, die Politik atmet. Die Tour im Parlament war informativ und beeindruckend zugleich, wann bekommt man schon mal so eine Gelegenheit und mit ein bisschen Glück kannst du sogar eine Plenarsitzung live von der Besuchertribüne aus verfolgen. Ich empfehle dir allerdings, dich rechtzeitig um ein Zeitslot-Ticket zu kümmern, da die Ticket schnell vergriffen sind. Den Link dazu findest du HIER. Die Tour ist in 24 EU-Sprachen verfügbar und dauert etwa eine Stunde.



Im Anschluss an die Besichtigung hatte ich noch die Gelegenheit, das Parlamentarium zu besichtigen. Das Parlamentarium ist ein interaktives Besucherzentrum. Eine multimediale Ausstellung erklärt die Geschichte, Aufgaben und Wirkung der EU. Highlights sind ein 360°-Panoramafilm, eine interaktive EU-Karte und Porträts der Abgeordneten.


Du kannst erleben, wie EU-Politik entsteht, und sogar an einem virtuellen Rollenspiel teilnehmen, bei dem du selbst in die Rolle eines Europaabgeordneten schlüpfst. Das Parlamentarium ist täglich geöffnet, kostenlos und ist ebenfalls in 24 Sprachen verfügbar.


Nach diesem illustren, interaktiven und politischem "Date" hatte ich noch Lust ein Stück weiter zu gehen und ließ es mir nicht nehmen, noch das Berlaymont Gebäude anzuschauen - leider nur von außen, da es für Touristen nicht zugänglich ist.


Das Berlaymont-Gebäude liegt im Europäischen Viertel von Brüssel, direkt am Schuman-Kreisverkehr, und ist der Hauptsitz der Europäischen Kommission, eben jener Institution, die die Interessen der EU als Ganzes vertritt. Mit seiner markanten X-förmigen Architektur und der modernen Glasfassade ist es ein Symbol für Verwaltung, Diplomatie und europäische Zusammenarbeit.


Berlaymont Gebäude
Berlaymont Gebäude

Im Inneren arbeiten rund 3.000 Mitarbeitende aus allen EU-Mitgliedsstaaten. Hier werden Gesetzesvorschläge erarbeitet, politische Strategien entwickelt, und Programme zur Umsetzung europäischer Ziele koordiniert wie etwa in den Bereichen Klima, Wirtschaft, Digitalisierung oder Migration. Die Kommission überwacht zudem die Einhaltung von EU-Recht in den Mitgliedsländern und verwaltet den EU-Haushalt.


Zusatz-Tipp: Wenn du noch immer nicht genug hast vom Thema EU, besuche "Das Haus der Europäischen Geschichte", ein Museum zur europäischen Entwicklung.


Zwischen politischen Institutionen und festlichem Stadtleben gönnte ich mir zum Tagesabschluss einen Ausflug in die Welt der Sinne: das Choco-Story Museum in Brüssel. Hier wird die Geschichte der Schokolade lebendig: von den Maya und Azteken über die Kolonialzeit bis hin zur belgischen Handwerkskunst. Die Ausstellung war informativ und liebevoll gestaltet, mit historischen Objekten, duftenden Stationen und interaktiven Elementen.


Besonders berührt hat mich der Schokoladenkurs, bei dem ich selbst Pralinen und Schokolade herstellen durfte; ein sinnliches Erlebnis, das Hände, Nase und Herz gleichermaßen verwöhnte. Zwischen Kakaobohnen und glänzender Kuvertüre wurde mir bewusst: Brüssel ist nicht nur Hauptstadt Europas, sondern auch ein Ort, an dem Genuss zelebriert wird, nicht nur mit Hingabe, sondern auch Geschichte.


Später durfte der Tag sanft ausklingen mit hochgelegten Füßen, einem zufriedenen Lächeln und der stillen Vorfreude auf einen zweiten Brüsseler Tag, der ebenso vielversprechend begann, wie der erste geendet hatte.



Der zweite Tag in Brüssel begann mit königlicher Eleganz: Der Königspalast, still und würdevoll, öffnete den Blick auf die repräsentative Seite der Stadt. Gleich danach zog mich die Kathedrale St. Michel et Gudule in ihren Bann mit ihren gotischen Türmen, dem Lichtspiel der Fenster und einer Stille, die zwischen den Säulen zu schweben schien.



Anschließend ging es zum Mont des Arts, dem Kunstberg, wo sich Kultur und Perspektive vereinen. Von hier aus schweifte mein Blick über die Dächer der Stadt, während die winterliche Luft die Fassaden in kühles Licht tauchte.


Ein kurzer Abstecher zu Manneken Pis brachte mich zum Schmunzeln, denn das berühmte Brüsseler Wahrzeichen war festlich „verkleidet“, fast schon liebevoll verunstaltet (seht selbst). Fun-Fact: wusstest du, dass es ein weibliches Pendant zu Manneken Pis gibt!? Sie heißt Jeanneke Pis. Die kleine Bronzestatue zeigt ein urinierendes Mädchen in hockender Haltung und befindet sich in der Impasse de la Fidélité, einer kleinen Sackgasse nahe dem Délirium Café, nur wenige Gehminuten vom Grand Place entfernt. Sie wurde 1985 vom Künstler Denis-Adrien Debouvrie entworfen und 1987 eingeweiht. Jeanneke Pis ist etwa 50 cm hoch und steht hinter einem Gitter, ein wenig versteckt, aber charmant und mit einem Hauch Brüsseler Humor. Die Statue soll auch ein Zeichen für Gleichberechtigung sein und ist inzwischen ein beliebter Geheimtipp für Besucher, die Brüssel abseits der klassischen Pfade erleben möchten.



Am Abend wurde es magisch: Der Grand Place (auch Grote Markt genannt) erstrahlte im Lichterglanz. Zwischen dem Rathaus und den Gildehäusern tanzten Farben und Klänge; eine Lichtshow, die Architektur und Emotion miteinander verwob. Menschen standen still, staunten, lächelten und ich mittendrin, mit warmem Herzen und kalten Fingern.



Zum Abschluss dieses reichen Tages gönnte ich mir einen kulinarischen Absacker bei La Friterie: knusprige Pommes, dampfend und goldgelb, mit Blick auf das nächtliche Brüssel. Ein einfacher Genuss, der den Tag rund machte zwischen Krone und Kartoffel, Kathedrale und Kakaoduft.



Nach einem Tag voller Architektur, Geschichte und kulinarischer Genüsse begann der dritte und zugleich letzte Tag in Brüssel; mit gepacktem Koffer, aber noch offenen Augen für zwei besondere Sehenswürdigkeiten.

Dank der guten Anbindung vom Stadtzentrum aus ging es bequem mit der Metro Richtung Heysel, wo das Atomium bereits aus der Ferne glänzte: ein futuristisches Wahrzeichen aus neun riesigen Kugeln, das ursprünglich zur Weltausstellung 1958 errichtet wurde und heute als Aussichtspunkt und Ausstellungsort dient.


Gleich daneben liegt Mini-Europa, ein liebevoll gestalteter Themenpark, in dem über 350 europäische Monumente im Miniaturformat zu sehen sind: vom Eiffelturm bis zur Akropolis, begleitet von kleinen interaktiven Überraschungen.



Nach diesen beiden letzten Sehenswürdigkeiten-Schmankerln verabschiedete ich mich von einer Stadt, die in mehreren Sprachen denkt, in Schokolade träumt und mir gezeigt hat, dass Europa nicht nur ein politisches Projekt ist, sondern auch ein sinnliches, kulturelles und zutiefst menschliches Erlebnis. Oder, wie man in Brüssel vielleicht sagen würde:


"Voyager, c’est goûter le monde." - „Reisen heißt, die Welt zu kosten."


Mit dieser Kostprobe im Herzen ging es zurück nach Berlin, bereit für Weihnachten und erfüllt von Erinnerungen, die noch lange nachschmecken.


Hotel-Tipp: Hotel Chambord, Rue de Namur 82

Extra-Tipp: Brüssel ist nicht zu groß als das man nicht laufen könnte; der ÖPNV ist zusätzlich gut ausgebaut, vor allem, wenn man nach Mini-Europa und zum Atomium gelangen möchte.


Fazit: Drei Tage Brüssel - die Stadt hat mir gezeigt, wie Europa sich anfühlen kann: komplex, sinnlich, zugänglich. Brüssel verbindet Struktur mit Seele. Und gerade in der Vorweihnachtszeit entfaltet sie eine Wärme, die zwischen den Sprachen und Kulturen leuchtet.


Wenn du Lust hast, Brüssel selbst zu entdecken, dann tu es! Lass dich treiben zwischen Geschichte und Gegenwart, zwischen Königspalast und Friterie. Und wenn du selbst schreibst, planst oder träumst: Welche Stadt könnte für dich ein Kapitel sein, nicht nur auf der Landkarte, sondern in deinem Leben?

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